Storytelling par excellence – Gloria von Thurn und Taxis verdankt Tratsch ihren Erfolg als Unternehmerin
Storytelling par excellence - Gloria von Thurn und Taxis verdankt Tratsch ihren Erfolg als Unternehmerin ©negovura - shutterstock.com

Storytelling par excellence – Gloria von Thurn und Taxis verdankt Tratsch ihren Erfolg als Unternehmerin

So funktioniert Storytelling im Personal Branding: Überlegen, was die Zielgruppe wahrnehmen soll, und dann die entsprechenden Geschichten platzieren. Gloria von Thurn und Taxis zeigt uns, dass es auch andersherum geht…

Gloria genießt die Aufmerksamkeit der Klatschpresse

Schlagartig bekannt durch die Heirat mit dem 34 Jahre älteren Johannes von Thurn und Taxis, erregte die “Pop-Aristokratin”, “Punker-Fürstin”, oder “Prinzessin TNT”, vor allem in den 90ern reichlich Aufsehen in der Regenbogenpresse. “Eine Adlige, die durchdreht, Geld zum Fenster rauswirft, keine Grenzen kennt, eine die es sich eben leisten kann, die sich um nichts schert und sich komplett “unadelig” benimmt…! Gloria war das “It-Girl” der frühen 90er Jahre, bis sie ein herber Schicksalsschlag heimsuchte: Ihr Mann verstarb, sie war plötzlich Alleinerziehende von drei kleinen Kindern und ein Blick auf die Finanzen verriet, dass die Adelsfamilie keineswegs rosigen Zeiten entgegenblickte.

Sie krempelt die Ärmel hoch und das Familienunternehmen um

Sämtliche Lästermäuler blicken nach dem Tod ihres Mannes hämisch auf das Party-Girl Gloria und warten förmlich darauf, dass jetzt alles “den Bach runter” geht. Aber diesen Gefallen tut sie ihren Neidern nicht. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, studiert sie Betriebswirtschaftslehre und saniert, beziehungsweise veräußert große Teile des Familienunternehmens. Um ihre Erbschaftssteuer bezahlen zu können, versteigert sie sogar Anteile ihres Erbes bei Sotheby’s, was erneut die klatschhaften Gemüter erregt.

Die Prinzessin macht sich die Aufmerksamkeit ihrer “Sturm-und-Drang-Zeit” zunutze.

Die Beachtung – also das Storytelling der Presse – welche Gloria in ihren “Flegeljahren” auf sich gezogen hat, zahlt sich plötzlich aus und sie macht sich diese zunutze. Alle wollen wissen wie es mit der Gloria und dem Adelshaus weitergeht und schauen genau hin. Was sie sehen ist eine Frau, die sich ihrem Schicksal stellt. Beachtung – sei sie nun gut oder schlecht – muss sie sich nicht erst erkämpfen. Die Neugier der Menschen und deren Tratschsucht kommt ihr jetzt zu Gute, denn was ihre Gönner und Neider jahrelang nur aus den Medien kannten, dürfen sie jetzt anfassen: Gloria öffnet die Pforten zu Schloss St. Emmeram in Regensburg und lädt die Besucher ein an ihrem Leben “Teil zu haben”. Weite Teile des Schlosses kann man besichtigen, Die Besucher werden mit Musikfestivals und Gartenmessen verwöhnt, sie lädt zu Veranstaltungen, gibt Benimm-Seminare und manch prunkvolle Räumlichkeit kann angemietet werden. Innerhalb von nur 10 Jahren schafft es Gloria aus einem kränkelnden Familienunternehmen ein Imperium zu machen und sich dabei selbst vom Party-Girl zur Businessfrau zu etablieren. 2002 wird sie vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin “Business Week” sogar zur zehnbesten Finanzmanagerin gewählt.

Deshalb funktioniert Glorias Marke anders herum

Ihre Positionierung in den 90ern unterlag keinem Kalkül. Ich wage zu unterstellen, dass sie nicht geheiratet hat, um als Party-Girl ins Rampenlicht zu gelangen. Auch war es sicher nicht geplant ein paar Jahre später plötzlich “vor dem Nichts” zu stehen und sich dann als Businessfrau neu erfinden zu müssen. Aber weil die Zuschauer ihre Geschichte schon kannten, war es einfach darauf aufzubauen, das Publikum war ja schon da. Ihr neues Business läuft nicht nur so gut, weil sie clever ist, sondern auch weil die Menschen ihre Geschichte kennen, sich an sie erinnern und an ihrem Leben teilhaben wollen. Wirtschaftliches Geschick und Medienpräsenz gehen bei Gloria Hand in Hand.

“Storytelling par excellence – Gloria von Thurn und Taxis verdankt Tratsch ihren Erfolg als Unternehmerin“

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Gloria ist der Elefant im Porzellanladen

Sie macht nicht das, was man vor ihr erwartet. Damals nicht und heute auch nicht. Oft hat das Konsequenzen, aber die nimmt sie in Kauf. Storytelling, sprich, Gesicht und Geschichte zeigen lohnt sich also. Würden wir einer Adligen “ohne Vergangenheit” beim Sonnenbaden zusehen oder sie gar als Laien-Schauspielerin auf ihrer Schlossparkbühne bejubeln wollen? Würden wir ihr Buch lesen, oder gar ihren Kurs besuchen, der uns gutes Benehmen beibringen will? Eher nicht.

Anders bei Gloria: Die Frau, die sich – zumindest im Bezug auf die Adelswelt – durch ihre Ausschweifungen doch irgendwie und ständig daneben benimmt und provoziert, die so rebellisch und gleichzeitig erzkonservativ ist, will mir beibringen wie ich mich zu verhalten habe? – Das ist spannend, das will ich sehen, da geh‘ ich hin…

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