Personal Branding Canvas: 8 Schritte zur „Marke Ich“

Ibrahim Evsan · Aktualisiert am · erstmals erschienen am · 10 Min. Lesezeit

Zeichnung einer Person von hinten an einer Staffelei, die mit Pinsel und Farbpalette einen großen orangen Kreis auf eine leere Leinwand malt

Der Personal Branding Canvas ist eine einseitige Arbeitsvorlage von Ibrahim Evsan, mit der du deine persönliche Marke in acht Feldern entwickelst. Die acht Bausteine führen dich von der Frage, was dich ausmacht, über deinen Nutzen und deine Glaubwürdigkeit bis zu der Entscheidung, wie viel Zeit, Geld und Energie du investieren willst. Am Ende hast du deine „Marke Ich“ auf einem Blatt.

Zeichnung einer großen Rasterfläche mit leeren Feldern, in der Mitte klebt ein oranger Notizzettel, davor liegen zwei Bleistifte
Viele leere Felder, ein Ziel: Der Canvas bringt deine Gedanken zur eigenen Marke auf eine Seite.

Was ist der Personal Branding Canvas?

Der Personal Branding Canvas ist ein Denkwerkzeug für Selbstreflexion und Positionierung: Er zerlegt die große Frage „Wofür will ich stehen?“ in acht überschaubare Teilfragen. Ibrahim Evsan hat ihn 2015 auf PersonalBranding.de als kostenlose Vorlage veröffentlicht.

Das Prinzip kennst du vielleicht vom Business Model Canvas, den Alexander Osterwalder entwickelt und 2010 mit dem Buch „Business Model Generation“ bekannt gemacht hat: Statt eines langen Strategiepapiers steht alles Wesentliche auf einer Seite, sodass du Zusammenhänge und Lücken auf einen Blick erkennst. Der Personal Branding Canvas überträgt diese Idee auf dich als Person.

Personal Branding bedeutet, dich mit deinen Stärken, Werten und deiner Expertise so zu zeigen, dass die richtigen Menschen dich wahrnehmen und dir vertrauen. Die eigentliche Arbeit an der „Marke Ich“ beginnt allerdings im Stillen, in ehrlicher Selbstreflexion: Wer bin ich, was kann ich, was will ich, und für wen ist das wertvoll? Genau dafür ist der Canvas gemacht.

Personal Branding Canvas als PDF herunterladen

Den Personal Branding Canvas bekommst du hier kostenlos als PDF. Drucke ihn am besten groß aus, auf A3 oder größer, damit du genug Platz für Stichworte und Klebezettel hast.

Zeichnung des Personal Branding Canvas als Blatt mit acht leeren Feldern, daneben ein Bleistift und ein oranger Textmarker, Link zum PDF-Download
Personal Branding Canvas von Ibrahim Evsan · kostenloser PDF-Download

Du darfst den Canvas gern mit Freunden, Kolleginnen und Teams teilen. Nenne dabei bitte Ibrahim Evsan als Urheber. Eine ausführliche Anleitung, wie du die Vorlage an einem Nachmittag ausfüllst, mit Zeitplan und durchgespieltem Beispiel, findest du im Artikel Personal Branding Canvas Vorlage ausfüllen.

Die 8 Bausteine des Personal Branding Canvas im Überblick

Der Personal Branding Canvas besteht aus acht Bausteinen, die aufeinander aufbauen: Die ersten vier klären, wer du bist und welchen Wert du bietest, die letzten vier, wie du glaubwürdig und nachhaltig sichtbar wirst.

Nr.BausteinKernfrage
1Persönlichkeit und LeidenschaftWas macht dich aus und was ist deine Leidenschaft?
2Tätigkeit und ZielgruppeWas tust du und wen möchtest du mit deinem Können erreichen?
3MehrwertWelchen Mehrwert oder Nutzen bietest du deiner Zielgruppe?
4AbgrenzungWer ist deine Konkurrenz und was macht dich einzigartig?
5GlaubwürdigkeitWie und warum bist du glaubwürdig?
6Kommunikation und No-GosWas ist dir in Kommunikation und Auftritt wichtig, was kommt nicht infrage?
7Persönliche EmpfehlungenWas und wen empfiehlst du weiter?
8InvestitionWie viel Zeit, Geld und Energie willst du in welche Ziele investieren?

Damit die Bausteine greifbar werden, begleitet dich durch diesen Artikel ein ausgedachtes Beispiel: Lena, 38, Steuerberaterin in Köln, die sich auf Kreative und Selbstständige spezialisieren möchte.

Bausteine 1 und 2: Wer du bist und was du tust

Die ersten beiden Bausteine legen das Fundament: Sie beschreiben dich als Mensch und deine Arbeit so, dass andere dich in wenigen Sätzen verstehen.

1. Was macht dich aus und was ist deine Leidenschaft?

Hier sammelst du die Qualifikationen, Interessen und Werte, die dich charakterisieren. Das ist der Stoff für eine überzeugende „Über mich“-Seite: Im besten Fall wird dein Gegenüber neugierig und möchte mehr über dich erfahren.

Leitfragen:

  • Wie ist dein beruflicher Werdegang verlaufen?
  • Was macht deinen persönlichen Lebensweg besonders?
  • Wo und wie engagierst du dich?
  • Was ist deine Passion?
  • Welche Werte und Ideale sind dir im Beruf und privat wichtig?
  • Welche beruflichen und persönlichen Ziele oder Visionen verfolgst du?

Beispiel Lena: Tochter eines Fotografen, kennt die Geldsorgen von Selbstständigen aus der eigenen Familie. Werte: Klarheit, Fairness, Humor. Vision: dass Kreative ihre Zahlen verstehen und keine Angst mehr vor dem Finanzamt haben.

2. Was tust du und wen möchtest du mit deinem Können erreichen?

Definiere deinen Tätigkeitsbereich so genau, dass deine Zielgruppe einen Einblick in deine Arbeit und Arbeitsweise bekommt. Lege außerdem fest, mit welcher Gruppe du ins Gespräch kommen möchtest, und wer zu deinem persönlichen Erfolg beiträgt.

Leitfragen:

  • Welche Erfahrungen aus deiner Arbeit möchtest du teilen?
  • Welche Projekte erfüllen dich mit Stolz oder waren besonders lehrreich?
  • Wer sind deine Kunden, und wo ist deine Zielgruppe unterwegs?
  • Gab es ein einschneidendes Erlebnis, das dich zu deiner Tätigkeit gebracht hat?
  • Hast du bereits eine Community, und wie sieht dein Netzwerk aus?

Beispiel Lena: Steuerberatung und Buchhaltungs-Coaching für Fotografinnen, Designer und Musikerinnen. Zielgruppe ist auf Instagram und LinkedIn aktiv und trifft sich in Coworking-Spaces.

Bausteine 3 und 4: Dein Nutzen und was dich einzigartig macht

Die Bausteine 3 und 4 sind das Herz deiner Positionierung: Sie beantworten, warum jemand ausgerechnet zu dir kommen sollte.

3. Welchen Mehrwert oder Nutzen bietest du deiner Zielgruppe?

Zu wissen, was jemand leistet, ist interessant. Ausschlaggebend ist aber, welchen Nutzen diese Arbeit für andere hat. Personal Branding heißt, dich so zu positionieren, dass dieser Nutzen sofort erkennbar ist. Hier liegt auch der Kern deines Markenversprechens.

Leitfragen:

  • Welche Ideen und Lösungen für deine Branche vertrittst du?
  • Wie bietest du Menschen einen persönlichen Mehrwert, und gibt es ein konkretes Beispiel?
  • Auf welche Projekte oder Beiträge möchtest du hinweisen?
  • Wen könntest du in deine Darstellung einbeziehen?
  • Wie steckst du andere mit deiner Begeisterung an?

Beispiel Lena: Sie übersetzt Steuerrecht in die Sprache von Kreativen. Ihre Kundschaft spart Zeit, vermeidet Nachzahlungen und schläft vor der Steuererklärung wieder ruhig.

4. Wer ist deine Konkurrenz und was macht dich einzigartig?

Ein Blick auf andere, die Ähnliches anbieten, hilft dir, dein eigenes Profil herauszuarbeiten. Was kannst du von ihnen lernen, was machst du anders? Du musst dich nicht krampfhaft unterscheiden, sondern dich klar und authentisch positionieren.

Leitfragen:

  • Wodurch bist du klar von anderen unterscheidbar?
  • Welche klare Nutzen-Argumentation hast du?
  • Wie viele Wettbewerber sind bereits sichtbar im Netz aktiv?
  • Hast du eine besondere Stellung in deiner Branche?
  • Könnte deine Positionierung leicht kopiert werden?
  • Wie baust du Beziehungen zu deiner Kundschaft auf?

Beispiel Lena: Viele Kanzleien beraten Selbstständige, kaum eine spricht gezielt Kreative an. Ihr familiärer Hintergrund und ihr verständlicher Ton sind schwer zu kopieren.

Bausteine 5 und 6: Glaubwürdigkeit und dein Auftritt

Die Bausteine 5 und 6 sorgen dafür, dass deine Marke Vertrauen verdient und dass du in der Kommunikation sicher entscheiden kannst, was zu dir passt.

5. Wie und warum bist du glaubwürdig?

Die Mosaiksteine deiner Glaubwürdigkeit sind deine Ausbildung, dein Wissen und dein Erfahrungsschatz. Auch Orte, die man mit dir und deiner Arbeit verbindet, können Gefühle wecken und deine Echtheit stärken.

Leitfragen:

  • Wie sieht deine persönliche Erfolgsgeschichte aus?
  • Welche Qualifikationen, Zertifikate oder Titel hast du?
  • Welchen ehrenamtlichen Tätigkeiten gehst du nach?
  • Über welche Themen hast du geschrieben oder Vorträge gehalten?
  • Was hast du geschaffen, etwa ein Buch, ein Werkzeug oder ein Unternehmen?

Beispiel Lena: Steuerberaterexamen, zehn Jahre Kanzleierfahrung, Vorträge in Coworking-Spaces, ehrenamtliche Beratung für einen Kunstverein.

6. Was ist dir in Kommunikation und Auftritt wichtig, und was sind No-Gos?

Personal Branding ist Kommunikation, und sie findet heute vor allem online statt. Trotz klarer Positionierung wirst du immer wieder neu entscheiden müssen, welche Inhalte zu dir passen und welche eine Grenze überschreiten. Lege deine Verhaltensstandards deshalb vorher fest.

Leitfragen:

  • Möchtest du dein Publikum duzen oder siezen?
  • Welche persönlichen Informationen möchtest du preisgeben?
  • Wie weit möchtest du bei politischen oder religiösen Äußerungen gehen?
  • Wie stehst du zu humorvollen Videos oder Bildern?
  • Wie kritisch gehst du mit deiner eigenen Branche um?
  • Womit oder mit wem möchtest du keinesfalls in Verbindung gebracht werden?

Beispiel Lena: Sie duzt, erklärt mit Humor, zeigt ihren Hund, aber nie Mandanten oder Zahlen von Kunden. Keine Steuertricks, keine Parteipolitik.

Bausteine 7 und 8: Empfehlungen und deine Investition

Die letzten beiden Bausteine machen deine Marke menschlich und realistisch: Was du empfiehlst, zeigt deine Haltung, und was du investierst, entscheidet, ob du dranbleibst.

7. Was sind deine persönlichen Empfehlungen?

Mit eigenen Empfehlungen gewinnst du Menschen für deine Themen und schaffst Gemeinschaft. Sie dürfen eine persönliche Seite zeigen, sollten aber nicht zu privat werden. Deine Professionalität und Integrität bleiben gewahrt.

Was du empfehlen kannst:

  • Menschen, die du aus nachvollziehbaren Gründen schätzt,
  • Orte, an denen du dich wohlfühlst,
  • Artikel und Bücher, die du für relevant hältst,
  • Filme, Podcasts und Webseiten, die dich anregen,
  • Organisationen, deren Arbeit du sinnvoll findest,
  • gesellschaftliche Ideen, die du gemeinsam mit anderen voranbringen willst.

Beispiel Lena: eine Buchhaltungs-App, die sie wirklich nutzt, ein Podcast über Geld für Selbstständige, eine Initiative, die junge Künstlerinnen fördert.

8. Wie viel Zeit, Geld und Energie möchtest du in welche Ziele investieren?

Der Aufbau einer persönlichen Marke braucht Zeit und einen machbaren Rahmen für Geld und Aufmerksamkeit. Definiere klar, welche Ziele du verfolgst und wie viel du in Aktivitäten, Weiterbildung und Partner investieren willst.

Leitfragen:

  • Welche Suchbegriffe sind für dich relevant?
  • Wie viel Zeit pro Woche willst du in deine Online-Präsenz investieren?
  • Welche Workshops oder Schulungen brauchst du?
  • Willst du vor allem Wissen vermitteln und Mitstreiter gewinnen?
  • Geht es dir um Ansehen, Umsatz oder neue Aufträge?
  • Brauchst du Partner, Förderer oder Sponsoren?

Beispiel Lena: drei Stunden pro Woche, ein Beitrag auf LinkedIn und einer auf Instagram, ein Fotoshooting im Jahr. Ziel: zehn neue Mandate aus der Kreativbranche in zwölf Monaten.

Für wen eignet sich der Personal Branding Canvas?

Der Personal Branding Canvas eignet sich für alle, die als Fachleute in ihrem Gebiet wahrgenommen werden wollen, nicht nur für Prominente. Besonders hilfreich ist er für:

  • Selbstständige, Freiberuflerinnen und Beraterinnen, die Kunden gewinnen wollen,
  • Angestellte, die sich intern oder auf dem Arbeitsmarkt positionieren möchten,
  • Führungskräfte, die als Gesicht ihres Unternehmens sichtbar werden,
  • Absolventinnen und Absolventen vor dem Berufseinstieg,
  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Forschung bekannter machen wollen,
  • Teams und Unternehmen, die Mitarbeitende als Corporate Influencer begleiten.

Der Canvas ersetzt kein Gespräch und keine Strategie, aber er sortiert deine Gedanken. Viele merken erst beim Ausfüllen, dass ihnen in einem Feld schlicht die Antwort fehlt. Genau das ist der Wert: Lücken werden sichtbar, bevor du Zeit in Kanäle steckst.

So nutzt du die Ergebnisse

Ein ausgefüllter Canvas ist der Ausgangspunkt für alles, was andere später von dir sehen. Drei Wege, ihn sofort zu nutzen:

  1. Kernsatz formulieren: Verdichte die Bausteine 2, 3 und 4 zu einem Satz: „Ich helfe [Zielgruppe], [Problem] zu lösen, indem ich [dein Weg].“
  2. Profile überarbeiten: Nutze Baustein 1 und 5 für deine „Über mich“-Seite und dein LinkedIn-Profil, Baustein 6 für deinen Ton.
  3. Geschichten sammeln: Die Erlebnisse aus Baustein 1 und 2 sind der Rohstoff für gutes Storytelling im Personal Branding.

Prüfe den Canvas etwa einmal im Jahr oder bei jedem größeren beruflichen Wechsel. Deine Marke wächst mit dir, und der Canvas sollte das abbilden.

Fazit: Deine Marke auf einer Seite

Der Personal Branding Canvas macht aus der großen, oft lähmenden Frage nach der eigenen Marke acht konkrete Schritte. Er zwingt dich zur Ehrlichkeit über deine Stärken, deinen Nutzen und deine Grenzen, und er verbindet Selbstreflexion mit einer realistischen Planung von Zeit und Geld.

Das Wichtigste zum Mitnehmen:

  • Der Canvas besteht aus acht Bausteinen, von Persönlichkeit bis Investition.
  • Die Bausteine 3 und 4, Nutzen und Einzigartigkeit, sind das Herz deiner Positionierung.
  • Glaubwürdigkeit entsteht aus belegbaren Erfahrungen, nicht aus Selbstlob.
  • Klare No-Gos geben dir Sicherheit in der täglichen Kommunikation.
  • Ohne festgelegte Zeit und klare Ziele bleibt die beste Positionierung ein Blatt Papier.

Lade dir den Personal Branding Canvas als PDF herunter und nimm dir einen ungestörten Nachmittag. Wir wünschen dir viele neue Erkenntnisse auf dem Weg zu deiner „Marke Ich“.

Häufige Fragen

Was ist ein Personal Branding Canvas?

Ein Personal Branding Canvas ist eine einseitige Vorlage, mit der du deine persönliche Marke strukturiert entwickelst. Der Canvas von Ibrahim Evsan zerlegt die Frage „Wofür will ich stehen?“ in acht Felder, von Persönlichkeit und Zielgruppe bis zu Glaubwürdigkeit und Zeitbudget.

Welche 8 Bausteine hat der Personal Branding Canvas?

Die acht Bausteine sind: was dich ausmacht und deine Leidenschaft, was du tust und für wen, dein Mehrwert, deine Konkurrenz und Einzigartigkeit, deine Glaubwürdigkeit, Kommunikation und No-Gos, deine persönlichen Empfehlungen sowie die Investition von Zeit, Geld und Energie.

Wo kann ich den Personal Branding Canvas herunterladen?

Den Personal Branding Canvas von Ibrahim Evsan kannst du auf PersonalBranding.de kostenlos als PDF herunterladen. Am besten druckst du ihn auf A3 oder größer aus, damit genug Platz für Stichworte und Klebezettel bleibt.

Was ist der Unterschied zum Business Model Canvas?

Der Business Model Canvas von Alexander Osterwalder beschreibt das Geschäftsmodell eines Unternehmens in neun Feldern. Der Personal Branding Canvas überträgt das Prinzip „alles Wesentliche auf einer Seite“ auf eine einzelne Person und ihre Marke, mit acht Feldern rund um Persönlichkeit, Nutzen, Glaubwürdigkeit und Auftritt.

Für wen eignet sich der Personal Branding Canvas?

Der Canvas eignet sich für alle, die als Fachleute wahrgenommen werden wollen: Selbstständige, Angestellte, Führungskräfte, Absolventinnen, Wissenschaftler und Teams, die Mitarbeitende als Corporate Influencer begleiten.

Wie oft sollte ich meinen Personal Branding Canvas überarbeiten?

Überarbeite ihn etwa einmal im Jahr und zusätzlich bei jedem größeren beruflichen Wechsel, etwa einem neuen Job, einer neuen Zielgruppe oder dem Schritt in die Selbstständigkeit. Felder, die über Jahre stabil bleiben, zeigen deinen Markenkern.

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