Storytelling Tipps: 7 Regeln für dein Personal Branding

Ibrahim Evsan · Aktualisiert am · erstmals erschienen am · 8 Min. Lesezeit

Gezeichnete Illustration: Drei Menschen sitzen nachts an einem Lagerfeuer und hören einander zu, über dem Feuer steigt geschwungener Rauch auf, daneben Mond und Sterne.

Storytelling im Personal Branding heißt, dein Wissen und deinen Werdegang in Geschichten zu erzählen, damit Menschen sich an dich als Person erinnern und nicht nur an deine Fakten. Die sieben wichtigsten Storytelling Tipps lauten: Zeig Persönlichkeit, bewundere andere, informiere vielschichtig, nutze Interviews, zeig Einblicke in Bildern, lass Kunden erzählen und setze Humor gezielt ein. Wer diese Regeln beherzigt, bleibt nach einem Vortrag, Beitrag oder Gespräch präsent.

Warum Storytelling im Personal Branding so gut wirkt

Storytelling wirkt, weil Menschen Geschichten miterleben, während sie Fakten nur zur Kenntnis nehmen. Was uns emotional erreicht, bleibt hängen. Was uns nur informiert, ist schnell wieder vergessen.

Der Neuroökonom Paul Zak hat diesen Effekt untersucht. In einem Beitrag in der Harvard Business Review von 2014 beschreibt er Experimente, in denen figurengetriebene Geschichten mit Spannungsbogen die Ausschüttung des Hormons Oxytocin anregten. Je stärker diese Reaktion war, desto eher waren die Versuchspersonen bereit, anderen zu helfen, etwa mit einer Spende.

Für dein Personal Branding bedeutet das: Expertise allein macht dich noch nicht besonders. Besonders wirst du, wenn Menschen das Gefühl haben, dich als Person erfasst zu haben. Genau dabei helfen die folgenden sieben Tipps.

Das Fundament: So ist eine gute Geschichte aufgebaut

Jede wirksame Geschichte folgt einem einfachen Bogen aus vier Teilen, egal ob sie zwei Sätze oder zwanzig Minuten lang ist.

TeilFrage dahinterBeispiel
AusgangslageWo und wer bist du?„Vor fünf Jahren habe ich als Controllerin in einem Konzern gearbeitet.“
KonfliktWas lief schief, was hat gestört?„Ich habe Zahlen geliefert, die niemand verstand.“
WendepunktWas hat sich verändert?„Dann habe ich angefangen, jede Zahl als Geschichte zu präsentieren.“
ErkenntnisWas nimmt dein Publikum mit?„Seitdem weiß ich: Zahlen überzeugen erst, wenn man ihren Sinn erzählt.“

Der wichtigste Teil ist der Konflikt. Ohne Widerstand gibt es keine Spannung und keinen Grund zuzuhören. Wie du dieses Grundmuster auf deine ganze Laufbahn überträgst, zeigt der Beitrag Heldenreise im Personal Branding.

Wie lang darf eine Geschichte sein?

Die richtige Länge hängt vom Kanal ab, nicht von der Geschichte. Den Bogen aus Ausgangslage, Konflikt, Wendepunkt und Erkenntnis kannst du fast beliebig stauchen oder dehnen:

  • Profiltext oder Bildunterschrift: ein bis zwei Sätze, nur Wendepunkt und Erkenntnis.
  • LinkedIn-Beitrag: etwa 150 bis 250 Wörter, mit einer ersten Zeile, die direkt in den Konflikt springt.
  • Blogartikel oder Newsletter: Die Geschichte ist der Einstieg, danach folgen Erklärung und Tipps.
  • Vortrag oder Podcast: zwei bis fünf Minuten je Geschichte, mit Pausen und Details, die Bilder im Kopf erzeugen.

Je kürzer die Fassung, desto wichtiger ist der Konflikt. Wer nur zwei Sätze hat, beginnt mit dem Problem, nicht mit der Vorgeschichte.

Tipp 1: Zeig deine Persönlichkeit

Der erste Storytelling Tipp lautet: Erzähle, warum du tust, was du tust. Jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte, und genau sie unterscheidet dich von anderen mit ähnlichen Abschlüssen.

Diese Fragen helfen dir, deine Geschichte zu finden:

  • Warum mache ich, was ich mache? Warum bin ich auf meinem Gebiet Expertin oder Experte geworden?
  • Wie bin ich dazu gekommen? Gab es einen Wendepunkt, dem ich meine Expertise oder meine Beweggründe verdanke?
  • Welche Interessen habe ich außerdem? Ergänzen sie mein Fachthema, oder wie verbinde ich beides?
  • Welche Überzeugung treibt mich an, auch wenn es unbequem wird?

Schreibe die Antworten nicht glatt und perfekt. Gerade Ecken und Kanten machen dich interessant.

Tipp 2: Bewundere andere und sag es offen

Wer offen zeigt, wen er bewundert, wirkt sympathisch und souverän zugleich. Als Expertin oder Experte wirst du oft um Rat gefragt. Umso stärker wirkt es, wenn du zeigst, dass auch du Vorbilder hast.

Erzähle, wen du bewunderst und warum. Das kann eine bekannte Persönlichkeit sein, eine frühere Chefin, ein Lehrer oder eine Kollegin. Damit zeigst du Respekt vor der Leistung anderer, und du verrätst viel über deine eigenen Werte. Wer erzählt, was er an anderen schätzt, erzählt immer auch, wofür er selbst steht. Mehr über diese Wirkung liest du im Beitrag Mit Sympathie zum Erfolg.

Wichtig ist Ehrlichkeit: Lob nur, was du wirklich schätzt. Strategisches Namedropping durchschaut dein Publikum schnell.

Tipp 3: Informiere auf drei Ebenen

Die stärksten Expertinnen und Experten verbinden Fachwissen, Alltagsbezug und eine klare eigene Meinung. Angenommen, du willst dir einen Ruf als Fachfrau für Arbeitsrecht aufbauen. Dann eignet sich eine Mischung aus aktuellen Urteilen, deiner Einschätzung dazu und praktischen Fragen aus dem Alltag, etwa: Darf ich am Arbeitsplatz privat im Internet surfen?

  • Expertenwissen zeigt, dass du dein Fach beherrschst.
  • Alltagswissen zeigt, dass du die Fragen deines Publikums kennst.
  • Eigene Meinung zeigt, wofür du stehst, und macht dich unterscheidbar.

Mit dieser Mischung fühlen sich Laien und Fachleute gleichermaßen bei dir aufgehoben. Wenn du dafür einen eigenen Blog nutzen willst, helfen dir die acht Erfolgskriterien für den eigenen Blog.

Tipp 4: Gib Interviews, in Video und Podcast

Interviews zeigen dich aus einer anderen Perspektive als deine eigenen Texte, und Bewegtbild ist das ideale Medium für Storytelling. In einem Video oder Podcast erfasst dein Publikum dich ganzheitlich: Stimme, Sprechtempo, Wortwahl, Mimik und Körpersprache.

Heute musst du dafür nicht auf eine Einladung ins Fernsehen warten. Podcasts, LinkedIn-Videos, Livestreams und Gastauftritte bei Kolleginnen und Kollegen bieten viele Gelegenheiten. So bereitest du dich vor:

  1. Lege zwei bis drei Geschichten bereit, die deine Kernbotschaft tragen.
  2. Übe sie laut, bis sie natürlich klingen, nicht auswendig gelernt.
  3. Beantworte Fragen mit einem kurzen Beispiel statt mit einer Definition.
  4. Teile das Interview danach auf deinen eigenen Kanälen.

Tipp 5: Zeig Bilder, die Einblick in deine Welt geben

Bilder erzeugen schneller Emotionen als Text und sind deshalb ein starkes Werkzeug für Storytelling. Es müssen keine Familienfotos sein. Gute Bilder zeigen Momente und Interessen, die über dein Fachthema hinausgehen.

Wanderst du gern oder tauchst du in der Freizeit, dann zeig eindrucksvolle Bilder von Berglandschaften oder Unterwasserwelten. So lässt du dein Publikum an deinen Abenteuern teilhaben und in deine Welt eintauchen. Auch ein Blick auf deinen Schreibtisch, deine Notizen oder ein Whiteboard nach einem Workshop erzählt eine Geschichte. Warum gute Fotos für deine Marke so wichtig sind, erklärt der Beitrag 4 Gründe, warum Personal Branding gute Bilder braucht.

Tipp 6: Lass Kunden deine Geschichte erzählen

Ein Fallbeispiel aus Sicht deiner Kundin wirkt glaubwürdiger als jedes Eigenlob. Wenn sich andere die Zeit nehmen, öffentlich zu beschreiben, wie du ihnen geholfen hast, wirst du aus einer fremden Perspektive gezeigt.

So baust du eine gute Fallgeschichte auf:

  • Ausgangslage: Welches Problem hatte die Kundin?
  • Weg: Was habt ihr gemeinsam unternommen, und was war schwierig?
  • Ergebnis: Was hat sich konkret verändert, möglichst messbar?
  • Stimme: Ein kurzes, echtes Zitat der Kundin, mit ihrer Zustimmung.

Achte darauf, dass die Kundin die Heldin der Geschichte bleibt. Du bist die Person, die ihr den Weg gezeigt hat.

Tipp 7: Nimm es mit Humor

Humor ist der siebte und vielleicht wirkungsvollste Storytelling Tipp, weil wir uns an das, worüber wir gelacht haben, besonders gut erinnern. Gerade in Vorträgen wirst du dafür mit Aufmerksamkeit belohnt. Erzähle nicht nur Geschichten, sondern bring dein Publikum mit einer Beobachtung oder Anekdote auch einmal zum Lachen.

Ein bekanntes Beispiel liefert der britische Bildungsforscher Sir Ken Robinson. Sein TED-Talk „Do schools kill creativity?“ aus dem Jahr 2006 verbindet ein ernstes Thema mit vielen Lachern und wurde zum meistgesehenen TED-Talk überhaupt. Robinson starb 2020.

Wie du Humor einsetzt, ohne albern zu wirken, liest du ausführlich im Beitrag über humorvolles Storytelling.

Typische Fehler und Checkliste für dein Storytelling

Die häufigsten Fehler

Die meisten Geschichten scheitern an denselben wenigen Fehlern. Prüfe deine Beiträge an dieser Liste:

  • Kein Konflikt: „Alles lief super“ ist keine Geschichte.
  • Zu viel Einleitung: Steig nah am entscheidenden Moment ein.
  • Keine Erkenntnis: Am Ende muss klar sein, was dein Publikum davon hat.
  • Erfundenes oder Geschöntes: Eine Geschichte, die nicht stimmt, zerstört genau das Vertrauen, das sie aufbauen soll.
  • Immer nur du: Erzähle auch von Kunden, Kolleginnen und Vorbildern.

Checkliste: Ist deine Geschichte bereit?

Bevor du eine Geschichte veröffentlichst oder auf der Bühne erzählst, beantworte diese fünf Fragen mit Ja:

  1. Ist alles in der Geschichte wahr?
  2. Gibt es einen Konflikt oder einen Wendepunkt?
  3. Passt die Geschichte zu dem, wofür du stehen willst?
  4. Kann dein Publikum etwas daraus mitnehmen?
  5. Lässt sie sich in einem Satz zusammenfassen?

Dein Geschichtenspeicher

Gute Geschichten fallen dir selten dann ein, wenn du sie brauchst. Lege deshalb einen einfachen Speicher an, etwa eine Notiz auf dem Handy. Halte dort fest, was dich im Arbeitsalltag überrascht, geärgert oder zum Lachen gebracht hat, welche Frage dir Kunden immer wieder stellen und welcher Fehler dir etwas beigebracht hat. Nach wenigen Wochen hast du genug Stoff für Monate an Beiträgen, und jede Geschichte ist garantiert echt.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Storytelling ist im Personal Branding kein Schmuck, sondern das Werkzeug, mit dem du im Gedächtnis bleibst. Zeig Persönlichkeit, würdige andere, mische Fachwissen mit Alltag und Meinung, nutze Interviews und Bilder, lass Kunden sprechen und gönn deinem Publikum ein Lachen.

Storytelling ist gut, humorvolles Storytelling ist die Königsdisziplin. Damit gewinnst du die zwei wertvollsten Dinge, die dir ein Publikum schenken kann: Aufmerksamkeit und Sympathie.

Häufige Fragen

Was bedeutet Storytelling im Personal Branding?

Storytelling im Personal Branding bedeutet, dein Wissen, deine Werte und deinen Werdegang in Geschichten zu erzählen statt in Aufzählungen. So erinnern sich Menschen nicht nur an deine Botschaft, sondern an dich als Person. Die Geschichten müssen dabei immer wahr sein.

Wie fange ich mit Storytelling an?

Beginne mit deiner eigenen Entstehungsgeschichte: Warum machst du, was du machst, und welcher Moment hat dich dahin gebracht? Schreibe sie in wenigen Sätzen auf. Danach sammelst du laufend kleine Geschichten aus deinem Arbeitsalltag.

Welche Struktur hat eine gute Geschichte?

Eine gute Geschichte hat eine Ausgangslage, einen Konflikt, einen Wendepunkt und eine Erkenntnis. Der Konflikt ist am wichtigsten, denn ohne Widerstand entsteht keine Spannung. Am Ende sollte klar sein, was dein Publikum daraus lernen kann.

Wie persönlich darf Storytelling sein?

So persönlich, wie es dir angenehm ist und zu deinem Thema passt. Du musst kein Familienleben zeigen. Einblicke in Gedanken, Zweifel, Hobbys oder Arbeitsweisen reichen völlig aus, um dich nahbar zu machen.

Auf welchen Kanälen funktioniert Storytelling am besten?

Storytelling funktioniert überall, wo Menschen dir Aufmerksamkeit schenken: auf LinkedIn, in Blogartikeln, Podcasts, Videos und Vorträgen. Wichtig ist, die Länge an den Kanal anzupassen. Ein LinkedIn-Beitrag braucht eine kurze, klare Geschichte, ein Vortrag darf sich Zeit lassen.

Weiter im Lexikon