Humor im Storytelling: So gewinnst du ein treues Publikum

Ibrahim Evsan · Aktualisiert am · erstmals erschienen am · 8 Min. Lesezeit

Gezeichnete Illustration: eine lachende weiße Theatermaske mit geschlossenen Augen, umgeben von verspielten Linien, Konfetti und einem orangen Funkeln.

Humor im Storytelling bedeutet, echte Erlebnisse so zu erzählen, dass dein Publikum lacht und sich gleichzeitig etwas merkt. Im Personal Branding ist das besonders wirksam: Eine gut platzierte Pointe macht dich sympathisch, nahbar und einprägsam. Storytelling ist gut, humorvolles Storytelling ist die Königsdisziplin.

Was bedeutet Humor im Storytelling?

Humor im Storytelling ist kein Witzeerzählen, sondern die Kunst, aus echten Situationen eine Geschichte mit einem überraschenden Moment zu machen. Die Pointe entsteht aus dem Kontrast zwischen dem, was das Publikum erwartet, und dem, was tatsächlich passiert.

Im Personal Branding hat Humor eine besondere Aufgabe. Er zeigt deine Persönlichkeit, ohne dass du über dich selbst sprechen musst. Wer lacht, hört weiter zu. Wer weiter zuhört, lernt dich kennen. Wie Humor in die großen Grundregeln des Erzählens passt, liest du in den 7 Tipps für Storytelling im Personal Branding.

Dass Humor kein Randthema ist, zeigt auch die Wirtschaftslehre: Die Stanford-Professorin Jennifer Aaker und die Dozentin Naomi Bagdonas unterrichten dort einen Kurs zu Humor im Berufsleben und haben 2021 das Buch „Humor, Seriously“ veröffentlicht. Ihre Kernbotschaft: Humor ist keine Begabung weniger Menschen, sondern eine Haltung, die man üben kann. Es geht weniger darum, lustig zu sein, als darum, Freude und Leichtigkeit zuzulassen.

Was sagt die Forschung über Humor und Erinnerung?

Mehrere Studien zeigen, dass Humor sowohl die Erinnerung als auch die Wirkung einer Person verbessert, aber nur, wenn er gelingt.

Humor hilft dem Gedächtnis

Der Psychologe Stephen Schmidt veröffentlichte 1994 im „Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition“ eine Untersuchung zu Humor und Satzgedächtnis. Versuchspersonen erinnerten sich an humorvolle Sätze besser als an sachliche. Der Effekt war vor allem dann deutlich, wenn witzige und nüchterne Sätze gemischt vorkamen. Schmidt erklärte das damit, dass Humor mehr Aufmerksamkeit bindet und häufiger im Kopf wiederholt wird.

Gelungener Humor steigert das Ansehen

Brad Bitterly, Alison Wood Brooks und Maurice Schweitzer veröffentlichten 2017 im „Journal of Personality and Social Psychology“ eine Reihe von acht Experimenten mit dem Titel „Risky Business“. Ihr Ergebnis: Wer erfolgreich Humor einsetzt, wirkt selbstsicherer und kompetenter und gewinnt dadurch an Ansehen. Unpassende Witze signalisieren zwar ebenfalls Selbstsicherheit, aber geringe Kompetenz, und schaden dem Ansehen.

Für dich heißt das: Humor ist ein starkes Werkzeug mit eingebautem Risiko. Je besser er zu dir, deinem Thema und deinem Publikum passt, desto größer ist der Gewinn.

Warum du dir keine Witze merken kannst und das gut so ist

Viele Menschen sagen: „Ich kann mir keine Witze merken.“ Dafür gibt es einen guten Grund. Die meisten Witze sind auswendig gelernt und haben weder mit der Person, die sie erzählt, noch mit der Situation etwas zu tun.

Solche Witze sind leere Hüllen ohne Information, ohne Bezug und ohne Mehrwert. Wenn du sie vergisst, hast du also völlig richtig reagiert. Für dein Personal Branding brauchst du sie nicht. Du brauchst etwas Besseres: deine eigenen Erlebnisse.

Die besten Pointen schreibt das Leben

Die wirksamste Form von Humor im Storytelling sind Beobachtungen aus deinem eigenen Alltag. Storytelling bedeutet nicht nur, Abstraktes in leicht verdauliche Geschichten zu verpacken, sondern auch, dein Publikum an deinem Leben teilhaben zu lassen.

Bist du in deinem Thema bereits bekannt, kannst du mit dem spielen, was dein Publikum über dich weiß. Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Ich habe einmal von einer Polizeikontrolle in Berlin erzählt.

Illustration: Ein Mann steht neben seinem Auto und hält einem Polizisten lächelnd ein Tablet mit einem orangen Bildschirm entgegen.
Die Polizeikontrolle mit dem Tablet: eine kleine Alltagsgeschichte, die zu meinem Thema passt.

Ich werde angehalten und habe weder Führerschein noch Ausweis dabei. Was nun? Ein schneller Griff zum Tablet, und ich zeige den Beamten meinen Internetauftritt, um mich auszuweisen. Die Polizei ist sichtlich amüsiert über diese etwas ungewöhnliche Reaktion und lässt mich weiterfahren.

Warum funktioniert diese Geschichte? Weil sie zu dem passt, wofür ich stehe: Sichtbarkeit im Netz. Mein Publikum kennt mein Thema und lacht über die Übertreibung, die darin steckt. Die Pointe trägt meine Botschaft, ganz ohne Belehrung. Und ja: Den Führerschein solltest du trotzdem immer dabeihaben.

Was Personal Branding von Serienfiguren lernen kann

Storytelling im Personal Branding nutzt ähnliche Werkzeuge wie Drehbuchautorinnen und -autoren von Serien. Wir müssen eine Figur kennen, um mit ihr zu fühlen. Deshalb erzählt man uns ihre Geschichte.

Wir begleiten Serienfiguren durch Höhen und Tiefen, sehen die Welt mit ihren Augen und verstehen ihre innere Logik. Ihre Entscheidungen erscheinen uns folgerichtig, wir werden zu Eingeweihten. Und gerade weil wir sie so gut kennen, lachen wir über ihre Eigenheiten. Die besten Lacher entstehen, wenn eine Figur genau so reagiert, wie es zu ihr passt.

Das ist auch für dich die Grundlage: Je besser dein Publikum dich kennt, desto besser funktioniert dein Humor. Wie du diese Bekanntheit mit einer stimmigen Lebensgeschichte aufbaust, zeigt der Beitrag Heldenreise im Personal Branding.

Der kleine, feine Unterschied zur Serie

Im Personal Branding gilt anders als bei einer Serienfigur: Übertreib nicht, und erfinde nichts. Eine Serie darf ihre Figuren zuspitzen. Du dagegen bist eine echte Person, und dein Publikum vertraut darauf, dass deine Geschichten stimmen.

  • Keine Erfindungen: Zuspitzen ist erlaubt, Lügen nicht. Nichts vertreibt ein Publikum wirksamer als unehrliches Auftreten.
  • Immer mit Inhalt: Neben der Unterhaltung sollte jede Geschichte auch Wissen oder eine Haltung vermitteln.
  • Stimmig bleiben: Dein Humor muss zu deinem Auftreten auf allen Kanälen passen. Mehr dazu liest du im Beitrag Online und offline authentisch sein.

Der Ruf nach Authentizität mag abgenutzt klingen. Notwendig ist sie trotzdem, gerade dann, wenn du mit Humor arbeitest.

Kenne deinen Kontext: So findest du deine Lacher

Humor entsteht dort, wo deine Sicht auf die Welt auf die Erfahrungen deines Publikums trifft. Wenn du weißt, wer du bist und was dein Publikum über dich weiß, frag dich, wie du deine Umwelt erlebst:

  • Worüber ärgerst du dich regelmäßig, und was davon kennt dein Publikum auch?
  • Was ist für dich völlig normal, für andere aber überraschend?
  • Was stört dich, während es andere gar nicht bemerken?
  • Welcher Fehler ist dir passiert, über den du heute lachen kannst?

Wenn andere dich und deine Expertise kennen, können sie über deine innere Logik lachen. Das ist die beste Grundlage für humorvolles Storytelling. Geh mit offenen Augen durch die Welt, sammle deine Lacher und bleib so im Gedächtnis.

Illustration: Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander auf einem Sofa und schauen beide auf ihr Smartphone, zwischen ihnen schwebt eine orange Sprechblase.
„Endlich mal wieder Zeit für ein ausführliches Gespräch mit meiner Schwester.“

Auch dieses Bild zeigt das Prinzip. Die Bildunterschrift verspricht ein Gespräch, das Bild zeigt zwei Menschen, die auf ihre Handys schauen. Der Bruch zwischen Erwartung und Wirklichkeit erzeugt das Schmunzeln, und fast jeder erkennt sich darin wieder.

Welche Arten von Humor passen zu deiner Marke?

Nicht jede Form von Humor eignet sich für Personal Branding. Diese Übersicht hilft dir bei der Auswahl:

Art von HumorWirkungEmpfehlung
SelbstironieMacht nahbar, zeigt SouveränitätSehr gut geeignet, solange du dich nicht kleinmachst
AlltagsbeobachtungSchafft WiedererkennungSehr gut geeignet, besonders mit Bezug zu deinem Thema
ÜbertreibungMacht eine Botschaft einprägsamGut geeignet, wenn klar erkennbar ist, dass übertrieben wird
WortwitzLockert aufSparsam einsetzen, wirkt schnell bemüht
Sarkasmus und SpottGrenzt aus, wirkt überheblichVermeiden
Witze über GruppenVerletzt und schadet dem RufTabu

In fünf Schritten zu deiner humorvollen Geschichte

  1. Sammle Situationen: Notiere eine Woche lang alles, was dich überrascht oder amüsiert hat.
  2. Wähle die passende: Nimm eine Situation, die mit deinem Thema zu tun hat.
  3. Baue die Erwartung auf: Erzähle die Ausgangslage so, dass dein Publikum eine bestimmte Wendung erwartet.
  4. Setze die Pointe ans Ende: Der überraschende Moment kommt zum Schluss, ohne lange Erklärung danach.
  5. Verbinde sie mit deiner Botschaft: Ein Satz genügt, der zeigt, was die Geschichte mit deinem Thema zu tun hat.

Teste neue Geschichten erst im kleinen Kreis oder in einem kurzen Beitrag, bevor du sie auf einer großen Bühne erzählst. Wie Humor eine Werbebotschaft weltweit verbreiten kann, zeigt das Beispiel „The Epic Split“ von Volvo Trucks.

Humor auf verschiedenen Kanälen

Humor wirkt auf jedem Kanal etwas anders, deshalb lohnt es sich, die Form anzupassen:

  • LinkedIn: Eine kurze Alltagsszene mit Pointe in den ersten zwei Zeilen funktioniert gut, gefolgt von der fachlichen Erkenntnis. Ironie wird in Textform leicht missverstanden, formuliere deshalb eindeutig.
  • Vortrag: Ein humorvoller Moment in den ersten Minuten löst die Anspannung im Raum. Lass nach der Pointe eine kurze Pause, damit das Lachen Platz hat.
  • Video und Podcast: Hier tragen Stimme, Mimik und Timing. Kleine Versprecher oder spontane Reaktionen darfst du ruhig drinlassen, sie machen dich menschlich.
  • Newsletter: Eine persönliche Anekdote als Einstieg sorgt dafür, dass Leserinnen und Leser sich auf deine Mail freuen.

Auf allen Kanälen gilt: Humor soll Nähe schaffen, nicht Abstand. Warum Sympathie im Beruf so viel bewirkt, liest du im Beitrag Mit Sympathie zum Erfolg.

Fazit: Humor macht dich unvergesslich

Humor im Storytelling ist kein Selbstzweck, sondern ein Weg, deine Botschaft im Gedächtnis deines Publikums zu verankern. Die Forschung bestätigt, was gute Rednerinnen und Redner seit jeher wissen: Worüber wir gelacht haben, behalten wir besser, und wer gekonnt Humor einsetzt, wirkt kompetent und souverän.

Verzichte auf auswendig gelernte Witze. Erzähle stattdessen, was dir wirklich passiert ist, mit einem Augenzwinkern, ohne Erfindungen und mit einer klaren Botschaft. So wirst du für dein Publikum zu einer Person, der es gern treu bleibt.

Häufige Fragen

Warum ist Humor im Storytelling so wirkungsvoll?

Humor zieht Aufmerksamkeit auf sich und sorgt dafür, dass wir uns Inhalte besser merken. Außerdem macht er sympathisch, weil gemeinsames Lachen Nähe schafft. Studien zeigen zudem, dass gelungener Humor Menschen kompetenter und selbstsicherer wirken lässt.

Muss ich witzig sein, um Humor im Personal Branding zu nutzen?

Nein. Du musst keine Witze erzählen können. Es reicht, aufmerksam zu beobachten, was dir im Alltag passiert, und es ehrlich und mit etwas Selbstironie zu erzählen.

Welche Art von Humor passt zu Personal Branding?

Am besten passen Selbstironie und Alltagsbeobachtungen, die mit deinem Thema zu tun haben. Sarkasmus, Spott über andere und Witze über Herkunft, Geschlecht oder Religion schaden deinem Ruf und haben in deiner Marke nichts verloren.

Wie oft sollte ich Humor einsetzen?

So oft, wie es zu dir passt, aber nie auf Kosten der Botschaft. Ein humorvoller Moment pro Vortrag oder ein augenzwinkernder Beitrag zwischen fachlichen Inhalten reicht oft schon, um dich nahbar zu machen.

Kann Humor meinem Ruf schaden?

Ja, wenn er unpassend ist. Die Forschung von Bitterly und Kollegen aus 2017 zeigt, dass misslungene oder unangemessene Witze das Ansehen senken. Teste neue Pointen deshalb erst im kleinen Kreis.

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