Personal Branding – von Eitelkeit und Eigentoren

Wie eitel muss man eigentlich sein, um den Schritt zum Personal Branding zu wagen? Wie überzeugt sollte man von sich selbst und seinen Fähigkeiten sein? Wie wichtig sind einem Reputation, Ansehen und Erfolg? All diese Fragen gehören zwar zu dem großen Feld der Selbstvermarktung, doch sie treffen nicht den wahren Kern. Denn dieser sollte eher lauten: Wie gut kenne ich mich selbst? Die profunde Kenntnis über sich selbst, seine Ziele, seine Wünsche, seine Bedürfnisse ist elementar, um sich nach außen glaubwürdig, kompetent und selbstbewusst zu präsentieren und damit andere Menschen für sich und seine Ideen begeistern zu können.

Das breite Spektrum, das Personal Branding umfasst, reicht von der Vermarktung äußerlicher Faktoren und Eigenschaften bis hin zu psychologisch relevanter Fragen, die mit dem Innersten einer Person, ihren Gefühlen und ihrem Charakter zu tun haben. Diese Tatsache sollte nicht unterschätzt werden, wenn man sich dem Ziel, sich selbst zu vermarkten, nähern möchte. Denn diesem Wunsch muss eine ernste, persönliche und ehrliche Analyse vorausgehen, um Schwächen und Stärken, Anforderungen und Bedingungen herauszuarbeiten. Der pauschale und wenig reflektierte Wunsch, mehr Aufmerksamkeit oder mehr positive Reputation erlangen zu wollen, wird nicht ausreichen, um später tatsächlich zufrieden und erfolgreich in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Doch bevor die verschiedenen Ansätze, die das Gesamtpaket Personal Branding ergeben, erläutert werden, geht es zunächst um die Tragweite des Begriffs. Personal Branding wird hier verstanden als das berufliche Vermarkten der eigenen Person mit dem Ziel, als eigenständige Marke, die wiederum mit Werten, Idealen und konkreten Inhalten verknüpft ist, wahrgenommen zu werden. Heutzutage haben Menschen die Möglichkeit, sich gezielt über die digitalen Kanäle als stabile Marken positionieren zu können und bilden damit ein Gegengewicht zu dem schnelllebigen und unübersichtlichen Medium Internet mit seinen zahlreichen Plattformen und Angeboten. Damit entspricht die Zielsetzung des Personal Brandings dem Konzept der Social Trademarks (www.socialtm.com), die als moderne Wissens- und Wertevermittler die Kommunikationsmittel der heutigen Zeit nutzen, um sich als Personenmarken langfristig und erfolgreich zu etablieren.

Wer sich dieser Definition bewusst ist, realisiert auch, dass es nicht genügen wird, ein LinkedIn- oder Facebook-Profil zu erstellen, um eine erfolgreiche Eigenmarke zu bilden. Die Ansätze und Konzepte, die für einen gelungenen Auftritt wichtig sind, vollziehen sich auf verschiedenen Ebenen. Die erste behandelt dabei die Äußerlichkeiten wie die bloße „Zurschaustellung“ der eigenen Person und ihrer Fähigkeiten, die nächste Ebene befasst sich bereits mit inneren Faktoren wie die berufliche Qualifikation und die eigene Überzeugung, die somit fast stufenlos in die nächste Ebene mündet, denn diese beinhaltet psychologisch relevante Fragen, die auf den Wesenskern eines Menschen abzielen: „Wer bin ich?“, „Wer möchte ich sein?“, „Wie möchte ich wahrgenommen werden?“. Im Grunde genommen, sind dies genau die Art von Fragen, die häufig sehr schnell und salopp formuliert werden, deren Beantwortung es jedoch viel Erfahrung, Selbstkenntnis und Selbstvertrauen bedarf.

“Wer in die Öffentlichkeit tritt, muss eine klare Botschaft vermitteln.“

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Wer sich dem Personal Branding widmen möchte, sollte für sich zuerst diese elementaren Inhalte, die für ihn und seine Persönlichkeit stehen, gestalten und formulieren. Denn wer in die Öffentlichkeit tritt, muss immer einen Grund haben, dies zu tun und eine klare Botschaft vermitteln. Damit steht also die Frage „Was möchte ich sagen?“ zu Beginn. „Wo möchte ich hin, welche Ziele habe ich?“, „Wie sehe ich mich selbst?“, Wie angenehm ist mir das Auftreten in der Öffentlichkeit?“, „Wie gut kenne ich mich und meine Reaktionen auf bestimmte Ereignisse? „Wie gehe ich mit öffentlicher Kritik um?“ Die Antworten auf diese Fragen sind der Schlüssel zu einer authentischen Präsentation in der Öffentlichkeit. Wer sich und seine Inhalte über soziale Netzwerke und andere öffentliche Kanäle verbreitet, muss selbstsicher und glaubwürdig sein. Andernfalls wird er nicht ernst genommen, zu wenig wahrgenommen oder im schlimmsten Fall mit harter Kritik konfrontiert, der er nicht standhalten kann. Wie schnell eine Selbstvermarktung zur Selbstentblößung bis hin zur Selbstzerstörung werden kann, merken all diejenigen, die mit der rasanten unerwünschten Verbreitung von bestimmten Inhalten oder mit gar einem Shitstorm fertigwerden müssen. Der Schritt, sich selbst „in-Szene-zu-setzen“ sollte also wohl überlegt, professionell und strategisch umgesetzt werden.

Neben den psychologisch relevanten Faktoren spielen auch die inneren und bestehenden Bedingungen der jeweiligen Person eine große Rolle. Die berufliche Qualifikation und Qualität sollte dabei an erster Stelle stehen. Denn die Kompetenz – gepaart mit der individuellen Darstellung und Herangehensweise – markieren den Menschen, machen ihn besonders und gewährleisten seinen Erfolg. Das eigene Können sowie die innere Überzeugung und Motivation für diese Sache, kombiniert mit einer Experimentierfreude, Neugierde und Offenheit, sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Online-Vermarktung.

Sind die bereits genannten Faktoren und Einzelheiten herausgearbeitet, lässt sich die äußerliche Präsentation leicht gestalten. „Wie trete ich auf?“, „Welches Bild möchte ich vermitteln, welche Assoziationen wecken?“, „Was sind meine Stärken und Schwächen?“, „Nach wem oder was suche ich gezielt?“, „Was kann ich bieten?“ – nach diesen Angaben können nun Profile erstellt, Kanäle mit Inhalten gefüllt und wichtige Kontakte zur Erweiterung des Netzwerkes geknüpft werden.

Die Eigenvermarktung über digitale Kanäle ist ein komplexes Gebilde, das von der Lust der Selbstdarstellung bis hin zur kritischen Überprüfung der eigenen Person und Qualifikation reicht. Die Bildung des Personal Brandings kann als eine Art Teamsport angesehen werden, bei dem die einzelnen Mitspieler, nämlich die Faktoren auf den unterschiedlichen Ebenen, strategisch überlegt und gut trainiert verschiedene Spielzüge miteinander kombinieren und je nach Möglichkeit und Situation im konkreten Spiel anwenden. Wird eine klare Linie verfolgt, konsequent und glaubhaft „gespielt“, ist die erfolgreiche Positionierung als Personenmarke die Konsequenz dieses Handelns. Doch werden zu vorschnell Entscheidungen gefällt, fehlt es an Professionalität oder Erfahrung, kann das Unterfangen Personal Branding leicht zum unglücklichen Eigentor verkommen – dann bleibt nur der Weg zurück zur Mittellinie, die im tatsächlichen Leben das Mittelmaß bedeutet.

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